World Storytelling Day 2025: Unsere Heldinnen-Reisen
Auch dieses Jahr feiern wir am 20. März unseren absoluten Lieblingstag – den World Storytelling Day – mit besonderen Geschichten der Mashup-Crew. Dieses Mal haben wir nach einer Geschichte der 7 Basic Plots der jeweiligen Mashies gesucht. Zur Erklärung: Mit „The Seven Basic Plots: Why we tell stories“ hat der Journalist Christopher Booker 2004 sein Fazit aus 34 Jahren Recherche veröffentlicht. Laut seiner Analyse lassen sich – bis auf einige wenige Ausnahmen – alle Geschichten in einen von 7 Plots kategorisieren.

Unternehmen können diese Plot-Vorlagen kreativ einsetzen, um die passende Geschichte für sich als Mentor:innen und ihre Zielgruppe als Held:innen zu konzipieren. Wir haben den World Storytelling Day als Anlass genommen, um einmal nach solchen Anekdoten im Mashieversum zu suchen.
7 Basic Plots – Übersicht und Bedeutung
Für alle Leser:innen, die die 7 Basic Plots nicht aus dem FF kennen, kommt hier eine Übersicht der Plots und ihrer Bedeutungen:
- 👹 Das Monster besiegen: Im Kampf “David gegen Goliath” treten die Held:innen gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner an. Das können Platzhirsche sein, denen sie entgegengetreten sind, neue herausfordernde Projekte oder Ziele, die wie ein unbezwingbarer Berg erschienen oder auch innere Selbstzweifel oder der eigene Schweinehund, die sie überwunden haben.
- 🏆 Vom Tellerwäscher zum Millionär: Mit Rückblick auf die bescheidenen Anfänge und bereits gemeisterten Herausforderungen kann die Legende hinter dem (Karriere)aufstieg erzählt werden. Oder auch andere private Errungenschaften gefeiert werden, die Stolz hervorrufen.
- 🔍 Die Suche / The Quest: Die Suche nach einem weit entfernten, schwierig zu erreichenden Ziel, der Wunsch nach Fortschritt und Perfektion. Kann auch die (erfolgreiche) Suche nach einem Job oder die Erfüllung im Arbeitsleben, die eigene Weiterentwicklung oder neue Ziele, die Sinn im Leben geben, sein.
- 🎒 Reise und Rückkehr: Der Unterschied zur Suche ist, dass es hier kein klares Ziel gibt. Die Reisenden nehmen Dinge mit, die sie auf dem Weg finden, die größte Belohnung ist Wissen. Der Plot kann davon erzählen, wie die Held:innen durch neue Erlebnisse in einer fremden Umgebung neue Anstöße/einen Richtungswechsel/Erkenntnisse im Leben bekommen haben.
- 🎭 Komödie: Die Komödie kann, muss aber nicht zwangsläufig allein auf Humor bauen. Es können Anekdoten sein über besondere Zusammenkünfte, anfängliche Missverständnisse, Zwischenmenschliches zwischen Kunden oder Kolleg:innen, Kleinigkeiten aus dem Arbeitsalltag, die uns unterhalten.
- ❤️🩹 Tragödie/ Wiedergeburt (sind im besten Fall unweigerlich miteinander verbunden): Die Tragödie ist ein Plot, den man gern vermeiden möchte. Ob persönliche Schicksalsschläge, eigene Fehlentscheidungen oder negative Einflüsse von außen, das Leben spielt nicht immer so, wie man es sich wünscht. Wiedergeburt: Doch das konnten die Held:innen hoffentlich überwinden und daraus stärker werden. Am Ende hat ihnen die Tragödie zum “Neustart” verholfen oder sie sind als geläuterte:r Held:in wiederauferstanden.
Die Basic Plots unserer Mashies
Reise und Rückkehr: Vom AuPair zu American Studies
Manja: Zum ersten Mal allein in einem fremden Land – und direkt verantwortlich für vier kleine Energiebündel. Na dann, viel Erfolg! Mein Jahr als AuPair in Connecticut war ein Sprung ins kalte Wasser und ein Crashkurs in Sachen Selbstständigkeit. Plötzlich war ich nicht nur für mich selbst verantwortlich, sondern auch für vier kleine Wirbelwinde, die meinen Alltag bestimmten. Zwischen Lunchboxen packen, Hausaufgaben betreuen und endlosen Gute-Nacht-Geschichten merkte ich: Ich wachse an dieser Herausforderung (und werde ziemlich schnell erwachsen😅).
Ich lernte, mich allein zurechtzufinden, neue Beziehungen zu knüpfen, lernte das Vorstadtleben kennen und New York City lieben – und merkte, wie sehr mich Sprache und Kultur faszinierten (take me back to 2009/2010…). Was als Abenteuer ohne klares Ziel begann, wurde zum Wendepunkt: Zurück in Deutschland entschied ich mich für American Studies – nicht etwa, weil mir nichts Besseres einfiel, sondern aus echter Begeisterung.
Die Suche: Schnittstelle zwischen PR und Immobilien
Laurence: In der PR-Welt jongliere ich mit kreativen Ideen und strategischer Kommunikation – und liebe es jeden Tag. Doch gleichzeitig träumte ich schon als Kind davon, mir etwas Eigenes aufzubauen. Letztes Jahr habe ich den entscheidenden Schritt dazu gewagt: Neben meinem Hauptjob als Beraterin bei Mashup, machte ich mich als Immobilienmaklerin selbstständig und absolvierte eine IHK-Weiterbildung. Einfach war es nicht. Arbeiten, lernen, weitermachen – die Monate waren intensiv.
Doch die Vorstellung, meine beiden Leidenschaften zu verbinden und damit auch das Familienunternehmen meiner Eltern in der Baufinanzierungsbranche ergänzen zu können, hat mich immer wieder angetrieben. Heute stehe ich genau da, wo ich hinwollte: an der Schnittstelle von Kommunikation und Immobilien. Ich helfe Menschen, ihr Traum-Zuhause zu finden, baue mir mein eigenes Business auf und wachse dabei jeden Tag in meinem Job als PR-Beraterin weiter.
Reise und Rückkehr: Von Down Under ins bunte Leben
Rebecca: Meine diesjährige Anekdote ist eine wortwörtliche Reise-und-Rückkehr-Geschichte. Aufgewachsen in einem Dorf ohne viele Möglichkeiten, fühlte sich der dortige Horizont mit dem Erwachsenwerden zunehmend wie ein Korsett an. Kurzum: ich musste raus. Also packte ich nach meinem Abitur klischeehaft meinen Backpack und betrat das erste mal in meinem Leben ein Flugzeug – ganz allein. Meine fast einjährige Tour durch Australien und Neuseeland weitete nicht nur meine geographische Welt, sondern auch meinen geistigen Horizont. Diese mutige Entscheidung war die Basis dafür, dass mein Leben heute bunter ist als mein 19-jähriges Ich es sich jemals hätte vorstellen können. ✨🪩🌈
Die Suche: Warum ich keine Künstlerin geworden bin
Jennifer: Es ist 2017, kurz vor meinem Abi und notentechnisch stehen mir alle Türen für die Zukunft offen. Obwohl mich mein Kunstlehrer seit nunmehr zwei Jahren regelmäßig daran erinnert, dass ich kein Talent, keinen Geschmack und keine Inspiration hätte – schlägt mein Herz für die Kunst. Vermutlich nicht der “sichere” Job, den meine Mutter sich vorstellt. Aber ich lasse mich nicht beirren und bewerbe mich trotzdem an zwei Kunstuniversitäten. Eine Absage hier, eine Zusage da – und nun?
Die Beschreibung von “Kommunikationsdesign” klang dann doch nicht nach dem, was ich mir für meine Zukunft vorgestellt hatte. Alles wieder auf null. Jura, Architektur, Biologie – in einem Meer aus Zusagen hatte ich immer noch keine Idee, was ich studieren möchte. Was und wer ich werden möchte. Schlussendlich habe ich mich für Publizistik entschieden. Aber das ist im Nachhinein auch gar nicht mehr wichtig. Denn ich habe verstanden, dass ich nicht Künstlerin sein muss, um kreativ zu sein. Meine Freizeit sowie mein Arbeitsalltag sind ein bunter Mix aus allem, was mich erfüllt, und das ist mehr als genug.
Reise und Rückkehr: 3 Monate Japan und eine Erkenntnis
Laura: Mit 18 nach Japan: drei Monate arbeiten und leben. Ich war unbeschwert und bereit für ein Abenteuer. Doch statt Glamour und Bling-Bling erwartete mich eine winzige Unterkunft mit fremden Fingernägeln im Bett. Alles war anders: Essen, Sitten, Kleidung – selbst das Wetter. Am meisten faszinierte mich die Arbeitswelt: Japaner:innen arbeiteten hart und tranken noch härter (besonders die Männer). Morgens musste ich mich oft an Schnapsleichen vorbei zum Bahnhof schlängeln.
Eines Nachts in Shibuya gerieten wir an einen Mann, der etwas zu tief ins Glas geschaut hatte und uns anpöbelte. Bevor ich reagieren konnte, war ich bereits mitten in einer Schlägerei gefangen. Ich war wie gelähmt vor Schreck. Doch dann geschah das Unerwartete: Erst stellte sich eine Frau schützend vor mich. Dann eine zweite. Dann noch eine. Plötzlich stand ich in einem Kreis aus fremden Frauen, um mich herum prügelnde Männer. Wir sprachen nicht dieselbe Sprache, aber sie verstanden meine Angst. Japan hat mich beeindruckt, überrascht und manchmal überfordert. Vor allem aber hat mir die Reise gezeigt, dass wir, egal in welcher Kultur wir aufwachsen, am Ende doch alle dieselbe Sprache sprechen.
Das Monster besiegen: Wie aus Qual eine heimliche Liebe wurde
Miriam: „Nie wieder!“, dachte ich mir, nachdem ich 2016 nach quälenden Monaten des Recherchierens, Schreibens, Redigierens, Weitereditierens und nochmal Redigierens endlich die Endfassung meines Buches „Storytelling für Unternehmen“ beim Verlag eingereicht hatte. Nie wieder werde ich ein Buch schreiben. Ich lese nicht mal besonders viel, schaue lieber „The Office“-Compilations auf YouTube.
Nun habe ich mir doch ein neues Monster geschaffen und mich in die Höhle des Geschichtenerzählens auf 270 Seiten begeben, schamlose Eigenwerbung auf dem Mashup-Blog als Fackel auf dem Weg. In „The Millennial and the King“ stelle ich mich nicht nur meinen eigenen Monstern, sondern versuche ganz nebenbei einen König zu stürzen, klassische David-gegen-Goliath-Saga. Ganz heimlich habe ich dabei entdeckt, dass ich es liebe, Schriftstellerin zu sein, trotz aller Qualen.
Reise und Rückkehr: Jede Geschichte hat ein Happy End
Nora: Vor mehr als 20 Jahren, genauer gesagt am 03. Oktober 2002, saß ich in Guatemala City auf einer Polizeistation. Ein paar Stunden vorher waren meine Freundin Janine und ich gerade ausgeraubt worden und wir hatten keinerlei Geld, Papiere und Kommunikationsmittel mehr. Wir wussten, wir müssen irgendwie schnellstmöglich zur Deutschen Botschaft kommen, um unsere Karten etc. zu sperren und neue Pässe zu beantragen, was sich ohne Bargeld als schwierig erwies. Und wie es dann weiterging, war komplett ungewiss.
Doch trotz dieser Aussichtslosigkeit, machte sich in meinem Kopf nur ein Gedanke breit: „In 5 Jahren ist das die beste Story deiner Weltreise.“ Und so kam es dann auch. Aufgrund des Tags der Deutschen Einheit war zwar die Botschaft geschlossen, dafür hatte der Botschafter Notdienst und wir durften eine Woche bei ihm und seiner Familie wohnen bis wir alle nötigen Reisepapiere zusammen hatten. Zum Abschied am Busbahnhof vergoss das Botschafterpaar ein paar Tränchen und für mich manifestierte sich seitdem der Leitspruch: “Egal, wie hoffnungslos etwas erscheint, ich glaube immer an ein Happy End.”
Komödie: Warum verrückte Ideen seit jeher die besten sind
Julia: Wir schreiben das Jahr 2006 und seit drei Monaten keimt eine zarte, jugendliche Liebe in zwei Herzen am Stadtrand von Berlin 🌱. Zeitgleich bin ich auf der Zielgeraden meiner schulischen Laufbahn, das Abi steht an und danach möchte ich reisen. Für Gap Year oder Work & Travel fehlt mir der Mumm, aber ein längerer Urlaub soll es sein, am liebsten in der schönsten Stadt der Welt (SF 🌉). Aber vier Wochen alleine auf der anderen Seite des Atlantik? Iiih.
Auftritt verrückte Idee: Können wir es wagen, nach drei Monaten Beziehung einen vier-wöchigen gemeinsamen Urlaub fast 10.000 km von zu Hause zu buchen, wenn wir dann gerade einmal sechs Monate zusammen sein werden 👀? We did. Beste Entscheidung und bester Urlaub ever. 19 Jahre, ein ganzes gemeinsames Leben, viele Reisen und verrückte Ideen später fehlt von Reue bis heute jede Spur.
Tragödie: Auch tragische Geschichten gehören ins Gedächtnis
Alexandra: Unvergesslich bleibt mir meine Reise von Israel und Palästina, über Jordanien, mit dem Schiff übers rote Meer, nach Ägypten, den Nil runter durch den Sudan nach Äthiopien, alles auf dem Landweg und auf eigene Faust. Das Schönste war Khartum, wo ich mit den Sufis Freundschaften geschlossen habe, die bis heute andauern.
Nur zwei Tage bevor die Proteste begonnen hatten, die kurze Zeit später die Regierung stürzten, habe ich das Land verlassen. Mittlerweile herrscht im Sudan Krieg und das Reisen dorthin ist (nahezu) unmöglich. Ein Freund aus der sudanesischen Hauptstadt hat – inspiriert von den Radreisenden durch Afrika – sein Fahrrad genommen, um damit außer Landes zu fliehen. Es ist eine unglaublich tragische Geschichte, aber auch eine, die ich niemals aus meinem Gedächtnis tilgen wollen würde.
Komödie: Das Geheimnis des Dreiecks
Cleo: Die erste Schallplatte, die ich aus der Bibliothek auslieh, war “Die Zauberflöte” von Mozart. Zu Hause spielte ich (erste Klasse, konnte aber schon lesen) dann Opernbesuch: Ich zog mein schönstes Kleid an (ein sehr hässliches, aber von mir heiß geliebtes Häkelensemble) und bastelte mir eine Eintrittskarte. Meine Mutter musste die Platte für mich auflegen, ich versank in den Klängen und studierte dazu stundenlang das Plattencover.
Ein Jahr später kam ich an eine andere Schule, eine mit Musikschwerpunkt. Ich lernte Gesang und Musiktheorie und freundete mich mit einem Mädchen an. Ihre Mutter war Opernsängerin an der Staatsoper, spielte irgendwann auch in der “Zauberflöte” – und endlich sah ich diese Oper live! Unnötig zu erwähnen, dass mein Herz direkt wieder Feuer fing. Das Mädchen von damals ist inzwischen seit 39 Jahren meine beste Freundin. Ihre Mutter ist inzwischen in Rente gegangen.
Aber letztes Jahr haben wir die “Zauberflöte” wieder zusammen gesehen – wieder genau diese Inszenierung, 30 Jahre nachdem wir sie zum ersten Mal gesehen hatten. Erkenntnis des Abends: Das auf dem Vorhang zu Beginn ist gar kein schnödes Dreieck, sondern eine Pyramide. Offenkundig braucht eine Erleuchtung manchmal einfach ihre Zeit..
Die Suche: Warum ich doch nicht mit einer großen Aktentasche durch Downtown streife
Kendra: Ich wollte immer diese “Geschäftsfrau” werden. Viel Geld verdienen und mit viel Geld arbeiten. Männern zeigen, dass auch Frauen es so richtig drauf haben. Und jeden Tag ein Kostüm mit High Heels tragen und eine schöne Aktentasche in meinen Händen halten. Vielleicht in New York, Frankfurt oder doch “nur” am Potsdamer Platz in Berlin? Hauptsache riesige Wolkenkratzer um mich herum.
Es kam dann ganz anders und das ist auch gut so. Ich bin glücklich und ausgeglichen in meinem Job als Teamassistenz und in meinem Privatleben. Ich liebe Berlin und das Leben hier für genau die Stadtteile, in denen keine Hochhäuser das Stadtbild prägen. Meine Freunde und Bekannten, die seit Jahren im Wirrwarr von Downtown arbeiten, sind meist überfordert und ausgelaugt und können ihr Leben und all das Geld, das sie verdienen, nicht genießen. Ich bin froh gelernt zu haben, dass es so viel Wichtigeres im Leben gibt.
Welche Geschichten wir letztes Jahr zum Word Storytelling Day gesucht und gefunden haben, erfahrt ihr hier: Die Story unseres Geburtsjahrs
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